33 Jahre AHA

Am 19. März 1974 trafen sich neun Mitglieder der Berliner Regionalgruppe der sich auflösenden IHWO (Internationalen Homosexuellen Weltorganisation), um einen neuen Verein zu gründen, der nach ihren damaligen Vorstellungen nicht ganz so „extrem links“ sein sollte wie die HAW (aus der das heutige SchwuZ hervorging) und „allgemein“ war — also nicht nur ein „exklusiver Klüngel für Akademiker und Studenten“. So zumindest schrieben es die Gründungsväter drei Jahre später in der Vereinszeitung »AHA-Info«.

Die »Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft« war entstanden!

Bald wuchs die Gruppe und 1976 wagte man den (damals durchaus kontroversen) Schritt, sich als »Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft (AHA-Berlin) e.V.« in das Vereinsregister eintragen zu lassen.

Schnell entstanden innerhalb des Vereins immer mehr Interessen- und Hobbygruppen sowie AGs. Gleichzeitig wurde man mit Flugblattaktionen und ähnlichem auch immer mehr öffentlich aktiv. Dabei entstand auch aus heutiger Sicht erstaunliches, wie zum Beispiel der detaillierte Entwurf eines Antidiskriminierungsgesetzes (1979) und die Aufsehen erregende Veranstaltung »Parteien auf dem Prüfstand« zur Bundestagswahl 1980 in der Bonner Beethoven-Halle. Außerdem war die AHA bis weit in die 80er Jahre hinein an der Organisation des Berliner CSDs beteiligt, half aber später auch dabei, mit dem alternativen CSD den Vorläufer des heutigen Transgenialen CSDs aus der Taufe zu heben.

Anfang der 80er Jahre erfreute sich der Verein immer regeren Zulaufs, und war 1982 mit über 200 Mitgliedern zum größten schwulen Verein in Deutschland geworden. Gleichzeitig war das Angebot an Gruppen und Veranstaltungen sehr breit gefächert. Um der Situation zu begegnen, zog man aus der Suarezstr. 50/51 in Charlottenburg (1976-1979) in die Friedrichstr. 12 in Kreuzberg um.

In der Folge entstanden in der AHA nun auch Projekte, die sich später von ihr lösen sollten, um auf eigenen Beinen zu stehen. Ein Teil der Räume in der Friedrichstraße wurde an das im Entstehen begriffene Schwule Museum untervermietet, welches dort mit dem Aufbau seines Archivs begann. Der Erfolg von diversen Sportgruppen gab mit den Anschub für den Vorspiel e.V. und das Team des von 1978 bis März 1984 monatlich erschienendem Vereinsheft »AHA-Info« wurde zu einem Teil der Keimzelle für das Stadtmagazin Siegessäule, welche als Projekt des Treffen der Berliner Schwulengruppen (TBS) von der AHA mit bergründet wurde. Auch die HuK geht auf eine Gruppe aus der AHA zurück und externe Projekte und Gruppen wie die schwulen Lehrer der GEW fanden in der AHA einen Ort um sich in ihrer Anfangszeit zu treffen.


Am 1. Januar 1989 zog die AHA dann um an ihre heutige Adresse, den Mehringdamm 61. Zur gleichen Zeit konnte das Schwule Museum dort seine ersten eigenen Räumlichkeiten eröffnen. 1995 folgte uns dann uach das SchwuZ an diese Adresse und schließlich eröffnete das Café Sundström.
Bis heute bildet der sogenannte Homo-Hof den Mittelpunkt des schwulen Kiez am Mehringdamm. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem SchwuZ und dem Schwulen Museum gelingt es auch immer wieder, diesen Ort zu einer der interessantesten Locations in der Berliner Szene-Landschaft zu machen — zum Beispiel mit dem jährlichem Hoffest im Sommer oder der gemeinsamen Silvesterparty.

Anfang der 90er Jahre wandelte sich die AHA von einem rein schwulen in eine lesbisch-schwules Projekt um. Seither finden auch immer wieder lesbische Gruppen und Projekte einen Platz in der AHA, wie zum Beispiel die Theatergruppe »Die Amazonen« oder die »Devotion Unlimited«- und »Freudenfluss«-Parties.
Aber auch Gruppen und Projekte aus dem Transgenderbereich, wie die Kingz of Berlin oder der Wigstöckel e.V. finden bei uns einen guten Platz.
Von daher ist es auch nicht verwunderlich, das die AHA eine wichtige Plattform für Kulturveranstaltungen der Kreuzberger Tunten- und Transgenderszene geworden ist, in der mehr als eine Kariere begonnen hat. Schließlich wurde nicht nur Biggy van Blond in der AHA auf die Pfennigabsätze gestellt, die für sie heute die Welt bedeuten.

Gegen Ende der 90er Jahren entstand schließlich jenes Angebot, welches heute den Verein prägt. Zwischen Spieleabend, Jugendgruppe, Sonntagscafé, Erotik-Party und Coming-Out-Gruppen, aber auch vielvälltigen Kulturveranstaltungen, dem jährlichen internationalen Jugendtreffen Warmer Winter und gelegentlichen Parties ist die AHA heute ein Verein, dessen Mitglieder größtenteils jünger sind als er selbst.
Als alternatives und nichtkommerzielles Projekt ist er vor allem auch für Studenten interessant. Auch sind die Menschen in und um den Verein oft politisch interessiert und decken ein Spektrum ab, das die Vereinsgründer sicher überrascht hätte.

Mittlerweile ist die AHA als lesbisch-schwules Projekt (nicht nur) in Berlin praktisch einzigartig, da sie seit ihrer Gründung vollständig durch die unbezahlte, ehrenamtliche Arbeit ihrer Mitglieder getragen wird, und es schafft, sich nur aus Mitgliedsbeiträgen und den Erlösen ihrer Veranstaltungen zu tragen. So ist die AHA auch hervorragend geeignet, unabhängig von zweckgebundenen Mitteln und Gewinnstreben eine Plattform für neue Projekte und Ideen zu bieten.

Noch mehr zum Lesen:
AHA-Berlin e.V. Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft e.V.
(AHA-Berlin e.V.)
Monumentenstraße 13
10829 Berlin
Tel.: (030) 8962 7948
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