AHA-Berlin e.V.


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Informationen zu den Ereignissen 2008

Stand: 24. Juli 2011

Auf dieser Seite möchten wir Dich über die Umstände der Notlage informieren, in welche die AHA Ende 2008 geraten war. Du findest hier eine Zusammenfassung aller Informationen, die bei den außerordentlichen Mitgliederversammlungen im November und Dezember 2008, bei der Sichtung der Kassenunterlagen und bei der Einsicht in die Akten des Ordnungsamtes zutage getreten sind. Die Mitgliederversammlung der AHA möchte diese Informationen gezielt der Öffentlichkeit zugänglich machen, um Gerüchten und Legendenbildung vorzubeugen. Außerdem fühlen wir uns verpflichtet, auch Rechenschaft gegenüber den Gästen und Freunden des Vereins abzulegen. Letztlich handelt es sich nämlich bei den Geldern, die anschließend in unserer Kasse fehlten, ja zum Großteil auch um Einnahmen, die wir nur mit eurer Hilfe erwirtschaften konnten.

Hurra, wir leben noch!

Zunächst die gute Nachricht: Die Ende 2008 bevorstehende Insolvenz der AHA konnte innerhalb weniger Wochen abgewendet werden.
Gegenüber der Situation im November 2008 hatte sich schon bald vieles geändert, und nach der Wahl eines neuen Vorstands blickte die AHA 2009 zwar immer noch in eine ungewisse Zukunft, aber wir waren sicher, dass der Verein auch diese Krise überleben wird. Es konnte zwar schon bald wieder eine solide finanzielle Grundlage aufgebaut werden, aber der Verein war bis Mitte 2010 (zum ersten Mal in seiner über 35-jährigen Geschichte) ohne eigene Räume.
Seit Oktober 2010 hat die AHA mittlerweile wieder eigene Vereinsräume.

»AHA on the Road«

Die Aufgabe unserer Räume bedeutete leider auch, das ein Teil unserer Veranstaltungen vorerst an anderen Orten stattfanden und ein großer Teil sogar ersatzlos entfallen musste. Im Jahr 2009 fanden außerdem diverse Sonderveranstaltungen unter dem Motto »AHA on the Road« statt. Damit waren wir schon bald wieder in der Lage, neue Vereinsräume finanzieren zu können.
An diser Stelle möchten wir uns ganz herzlich beim SchwuZ, dem Ackerkeller, Ajpnia, dem Mann-O-Meter und TransInterQueer für die schnelle und unbürokratische Hilfe beim Finden von alternativen Orten für Gruppen, Treffen und Veranstaltungen bedanken.

Und wie ging's danach weiter?

Nach der Aufgabe der Räume am Mehringdamm wurden die wichtigsten Sachen aus der AHA wurden zunächst eingelagert. Anschließend musste der am 16.12.2008 neu gewählte Vorstand zunächst die Kassenführung der vorherigen 8 Monate aufarbeiten. Außerdem konnten wir einige der in dieser Zeit angeschafften Dinge wieder veräußern. Darüber hinaus galt es, noch diverse vertragliche und juristische Fragen zu einem Abschluss zu bringen. Nachdem Klarheit über die finanziellen Verhältnisse herrschte, begann die Suche nach neue Räumen, was jedooch einige Zeit in Anspruch nahm.
Im Oktober 2010 konnte die AHA wieder ihre eigenen Räume eröffnen.

Wie kam es fast zur Insolvenz?

Auch wenn die Aufarbeitung der sehr chaotischen Buchführung von April bis Dezember 2008 mittlerweile Abgeschlossen ist, konnten nicht alle Details geklärt werden. Dennoch können wir folgendes feststellen:

  • Es gab in diesem Zeitraum praktisch keine Buchführung, die an den im März 2008 gewählten Vorstand übergebene elektronische Buchhaltung wurde nicht weitergeführt. Sie musste 2009 im Nachhinein anhand der vorhandenen Unterlagen und Belege erstellt und rekonstruiert werden.
  • Es wurde keinerlei Finanzplanung aufgestellt. Trotzdem wurden jedoch wahllos und nach Belieben Anschaffungen getätigt, die unabhängig davon, ob es dazu Beschlüsse gab, erstattet wurden.
  • Es gab einen kontinuierlich Rückgang der Einnahmen aus den Veranstaltungen. Insbesondere der monatliche Umsatz der Erotik-Party (dem traditionell größten Einnahmeposten der AHA) ging nach der Konzeptumstellung im Mai auf 50–70 % der bisherigen Partys mit dem alten Konzept zurück, obwohl es mit dem neuen Konzept zwei Partytermine im Monat gab statt bisher einen.
    Trotzdem wurden umfangreiche Investitionen getätigt. So wurde für zusammen über 2.000,– € Veranstaltungstechnik und Gastronomieausstattung beschafft. Außerdem wurden die Räume am Mehringdamm 61 für mehrere tausend Euro renoviert und umgebaut.
  • Vor dem Hoffest 2008 erfolgten Wareneinkäufe, die um eine vielfaches über ein realistisches Maß hinausgingen. (Etwa um den Faktor 5 bis 10.) Dadurch wurde ein großer Teil der finanziellen Reserven des Vereins gebunden.
    Die verbliebenen Warenbestände wurden anschließend jedoch nur zu einem kleinen Teil wieder zurückgegeben. Ein großer Teil lagerte weiter in den Räumen der AHA und musste teilweise sogar nach Ablauf der Haltbarkeit entsorgt werden. Auch hier fand keine erkennbare Kontrolle oder Planung durch den Vorstand statt.
  • Die Entwicklung des Kassenbestands wurde nicht ausreichend durch den Vorstand überwacht. Bereits im September lag der Kontostand der AHA nur noch knapp über dem Betrag der fälligen Mietzahlung und schon im Oktober war dann die Zahlung der Miete nur noch verspätet mit Hilfe der zu Monatsbeginn erzielten Einnahmen der Erotik-Party möglich.
  • Die Mitglieder wurden erst Mitte November über das volle Ausmaß der finanziellen Situation informiert, als die Insolvenz des Vereins beinahe nicht mehr abzuwenden war.

 

Gab es nicht schon vorher finanzielle Probleme?

Die AHA musste sich in der Tat seit Mitte 2005 mit einem strukturellem Defizit auseinandersetzen. Dies bedeutet, dass die festen Kosten des Vereins höher waren, als die Einnahmen aus den regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen. Diese Entwicklung konnte aber durch zusätzliche Veranstaltungen weitgehend ausgeglichen werden. 2007 war dank einer großen Zahl von Kulturveranstaltungen sogar ein besonders erfolgreiches Jahr für den Verein.
Aus diesem Grunde sahen die mittelfristigen Planungen des Vereins nach dem Ende des Mietvertrags für die Räume am Mehringdamm 61 im Sommer 2010 auch einen Umzug in leichter finanzierbare Räume vor, die dann auch besser auf unsere aktuellen Anforderungen zugeschnitten sein sollten.

Wie kam es zur Schließung der AHA?

Im August 2008 wurde eine anonyme schriftliche Anzeigen gegen die AHA beim Ordnungs- und Wirtschaftsamt des Bezirks Kreuzberg gestellt, deren Bearbeitung sich jedoch über 3 Monate hinzog. So kam es erst am 14. November unmittelbar vor der Youngster-Erotik-Party dazu, dass eine Kontrolle der Räume durch das Landeskriminalamt stattfand.
Dabei wurde der Vereinsbetrieb der AHA als genehmigungspflichtige Schankwirtschaft eingestuft. Da eine entsprechende Genehmigung nicht vorlag, wurden alle weiteren Veranstaltungen untersagt.
Gerüchte, dass es zudem im November eine persönlich vorgebrachte Anzeige gegeben haben soll, konnten bei einer Einsicht in die Akte des Ordnungsamtes nicht bestätigt werden. Von wem die Anzeigen gestellt wurden ist nicht bekannt, die Formulierungen in der schriftlichen Anzeige legen jedoch nahe, dass es sich um einen Gast handelt, der vermutlich Anfang August 2008 die Erotik Party besucht hat.

Wie kam es zur Kündigung durch den Vermieter?

Bereits im Herbst 2007 war es über den Zustand der Fenster in der AHA zu einer Auseinandersetzung mit dem Vermieter gekommen, nachdem die AHA sich zuvor bereits wiederholt erfolglos darüber beschwert hatte. Da die Räume im Winter wegen der schadhaften Fenster kaum noch ausreichend beheizbar waren, minderte die AHA ab Dezember 2007 schließlich die Miete, und konnte so erreichen, dass tatsächlich Reparaturen und die Anfertigung neuer Fenster beauftragt wurden. Diese Arbeiten fielen jedoch zunächst nicht befriedigend aus.
Im Frühjahr 2008 wurde die Frage des weiteren Vorgehens und der Aufrechterhaltung der Mietminderung zu einem der Streitpunkte innerhalb des bis März 2008 amtierenden Vorstands, zu denen keine Einigung erzielt werden konnte. Der im März 2008 neu gewählte Vorstand beschloss, die Mietminderung weiter in voller Höhe beizubehalten, während die abgewählten Vorstandsmitglieder eine baldige teilweise Rücknahme der Mietminderung als Zeichen des guten Willens der AHA befürwortet hatten.
Nachdem der Vorstand die Mietminderung unverändert aufrecht erhielt, eskalierte die Situation im Sommer 2008, indem der Vermieter Klage gegen die AHA einreichte.
Das Verfahren erstreckte sich über mehrere Monate, zu einer zwischenzeitlich avisierten außergerichtlichen Einigung kam es nicht. Schließlich sprach der Vermieter Ende November 2008 eine fristlose Kündigung aus, gegen welche die AHA jedoch keinen Widerspruch einlegte, da zu diesem Zeitpunkt die Nutzung der Räume bereits durch das Ordnungsamt untersagt worden war.
Im Februar 2009 einigten sich Vermieter und der neu gewählte AHA-Vorstand gütlich auf einen außergerichtlichen Vergleich. Die Klage wurde zurückgezogen.

Was ist mit der Erotik Party passiert?

Im April 2008 kam es zu einem Eklat innerhalb des Vereins, nachdem wenige Minuten vor Beginn der Erotik-Party die ehrenamtlichen Helfer von zwei Vorstandsmitgliedern durch den Aushang von Plakaten über die Entscheidung informiert wurden, ab Mai das Konzept der Party grundlegend zu verändern. Diese Entscheidung war weder mit dem Plenum noch mit den Mitarbeitern der Party abgesprochen worden. Bis heute ist es uns nicht gelungen, eine klare Aussage zu erhalten, wer genau eigentlich diese Entscheidung getroffen hat.
An die Stelle der seit 1991 sehr erfolgreichen Erotik-Party, die von Beginn an ohne jede Einlassbeschränkung ausgekommen war (abgesehen vom »men only«), traten nun zwei Partys an aufeinanderfolgenden Wochentagen. Der traditionelle Termin am zweiten Freitag im Monat wurde zur »Youngster-Party« für Menschen unter 30 Jahren, am darauf folgenden Samstag fand dann eine altersoffene Party statt. Der Eintrittspreis für die Youngster-Party wurde gesenkt, während man den der altersoffenen Party leicht anhob.
Vor allem die langjährigen Mitarbeiter der Party lehnten diese Änderung als Ausdruck von Jugendwahn und Altersdiskriminierung ab, der nicht mit dem Anspruch der Offenheit vereinbar war, den sie mit der Party verbinden. In den Besucherzahlen schlug sich auch eine deutlich negative Reaktion der Gäste nieder: keine der beiden Partys brachte mehr als rund 1/3 der vorher üblichen Gästezahlen. Oft waren es sogar deutlich weniger.
Selbst in der Summe erreichten beide Partys zusammen nie mehr als 50–70 % des Umsatzes einer traditionellen Party.

Was waren das für Streitigkeiten im Verein?

In der Folge der Vorstandswahl im März 2008 gab es eine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit im Verein. Auf der einen Seite stand der damals neu gewählte Vorstand und vor allem eine Reihe von erst kürzlich in den Verein eingetretener Mitglieder, die einen vom Vorstand geführten Verein befürworteten, in dem mit klar verteilten Kompetenzen effizient und schnell (Mehrheits-)Entscheidungen getroffen werden sollten. Die bisherige konsensorientierte, basisdemokratische Entscheidungsfindung wurde als ineffizient, unmodern und langwierig kritisiert.
Die Mehrheit der teilweise über viele Jahre im Verein aktiven Altmitglieder lehnte dies jedoch als klaren Bruch mit den grundlegenden Traditionen des Vereins ab. Die AHA ist seit den ersten Jahren ihres Bestehens ein basisdemokratischer Verein, der seither großen Wert auf die Mitbestimmung sowohl durch seine Mitglieder als auch durch im Verein aktive Nichtmitglieder in allen Fragen des Vereins legt. Vor diesem Hintergrund wurde der Führungsanspruch des im März 2008 gewählten Vorstands von den Kritikern als Demokratieabbau und Entmündigung der ehrenamtlichen Mitarbeiter abgelehnt.
In der Folge zeigte sich, dass unser Plenum vom Vorstand als demokratisches Forum wiederholt ignoriert oder sogar bewusst umgangen wurde. Auch die neu eingerichteten AGs führten eher zu mehr Intransparenz statt zu mehr Mitbestimmung: Da die Entscheidungsfindung der AGs weder durch das Plenum noch vom Vorstand koordiniert wurden, kam es dazu, dass die einzelnen Verantwortungsbereiche völlig unkontrolliert Kosten verursachen konnten. Gleiches lässt sich auch für einzelne Vorstandsmitglieder feststellen, die offenbar in ihrem Zuständigkeitsbereich eine alleinige Entscheidungsbefugnis für sich in Anspruch genommen haben.
Leider zeigt sich im Nachhinein auch, dass die vom im März 2008 gewählten Vorstand praktizierte Kompetenzverteilung von einzelnen Vorstandsmitgliedern auch dazu genutzt wird, jede Verantwortung für die während ihrer Amtszeit entstandenen Probleme von sich zu weisen.
Einige dieser Auffassungen des im März 2008 gewählten Vorstands stehen auch im Widerspruch zur Satzung der AHA, die einen kollegial zusammenarbeitenden Vorstand definiert, der seine Entscheidungen grundsätzlich nur mit demokratischer Abstimmung trifft und gemeinschaftlich für alle Belange des Vereins die Verantwortung trägt.

Und was sagen die Anderen?

Zwei der am 16. Dezember 2008 mit 2/3-Mehrheit von der Mitgliederversammlung der AHA abgewählten Vorstandsmitglieder haben eine eigene Darstellung der Ereignisse veröffentlicht, die unter der folgenden Adresse zu finden ist: http://www.tunsi.eu/20.html


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Tel: (030) 8962 7948
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Seite erstellt: 2011-10-28 14:36
Letzte Änderung: 2014-04-12 19:48