Sind wir den schon über 18?!
Klar, die Erotik Party
ist ein Vergnügen für alle über 18. Aber mit der Zahl hat es noch mehr auf sich — die Erotik Party wird dieses Jahr
nämlich selber Volljährig! Vor 18 Jahren, im September 1991 fand die Party mit dem Namen »Bodies in Emotion« zum ersten mal statt
und wurde schnell zum beliebten Klassiker unter den Safer-Sex-Parties in Berlin.
»Ficken für die Miete«?
Seit 35 Jahren
steht die AHA nun schon jeden Monat vor derselben Frage: Wie bezahlen wir unsere Räume? Die AHA arbeitet
schließlich als einziges schwules Projekt in Berlin seit ihrem Bestehen ohne Zuwendungen vom Senat! Seit 1991
gibt es eine Antwort auf diese Frage: Die Erotik Party »Bodies
in Emotion« — intern auch gerne »Ficken für die Miete« genannt.
Wie alles begann
Weißt Du noch,
was eine Jack-Off-Party ist? Das war die wenig befriedigende Antwort auf die Alternative »keinen Sex« oder
»Safer Sex«: Die Gäste legten Hand an sich — und sonst gar nichts. Damit war aber niemand wirklich
glücklich — außer dem Veranstalter.
Das SchwuZ, die Bundesversuchsanstalt für neue Lebensweisen,
erprobte Anfang der 90er Jahre eine neue Idee: Die »Safer-Sex-Party«. Alle Gäste wußten, daß hier nur
Safer Sex praktiziert werden durfte; dazu standen Kondome und Gleitgel bereit.
Die AHA — stets am Puls der Zeit — erkannte ebenfalls das Potential dieser neuen Veranstaltung, überarbeitete das
Konzept und entwickelte die Erotik Party mit dem Namen »Bodies in Emotion«.
Seither werden die Räume der AHA jeden zweiten Freitag im Monat von
ehrenamtlichen Mitarbeitern »fickfertig« gemacht. Hinter einem kleinen Vorraum, in dem
man sich um- oder ausziehen kann, erwartet die Gäste eine gemütliche Bar mit behaglicher Atmosphäre — und in dem jeden
Monat neu gestalteten »Labyrinth« mit Separées, Gängen, Spielwiesen, Darkroom und einer
»Läster-Couch« geht's dann zur Sache. Gleitgel und Kondome liegen überall in geschmackvollen Schalen bereit.
Erotik unter Engeln
Damit hat sich die AHA
nicht nur um eine Verbreitung des »Safer Sex«-Gedankens verdient gemacht, sondern die
Eintrittsgelder der vielen Gäste, die Monat für Monat am Eingang Schlange stehen, helfen auch mit die Miete
zahlen können. Selbst für allerlei stimmungsvolle Dekorationselemente, die der Erotik-Party einen ganz besonderen
Reiz geben, bleibt meist noch etwas übrig. Die Ausstattungen richten sich nach Jahreszeit oder Feiertag - zum Beispiel
zu Weihnachten können die Gäste alle Glocken zum Schwingen und alle Engel zum Singen bringen; auch der »Tag der
deutschen Einheit« bekommt ganz neue Inhalte.
Die Gäste lieben unsere Erotik-Party, weil sie alles tun und lassen dürfen - solange es safe ist. Sie müssen sich weder
ganz ausziehen noch in Fetischkleidung kommen; sie können sich an der Bar unterhalten oder sich im Finstern fallen
lassen. Dabei ist die Atmosphäre angenehm und freundlich - und falls jemand einmal nicht möchte, wird das »Nein«
respektiert. Jüngere und reifere Gäste begegnen sich im Halbdunkel des "Labyrinths" und entdecken aneinander immer
wieder Neues, und die Stammgäste — etwa ein Drittel der Erotik-Party-Besucher — führen neue Gäste einfühlsam ein.
Die Geschichte der »Bodies in Emotions« ist reich an Anekdoten, die aber nicht zur Veröffentlichung geeignet sind.
Deshalb hier eine ganz harmlose: »In den Anfangsjahren wurden die Stoffe und Dekorationen an Seilen aufgehängt, die
dicht unter der Decke gespannt waren«, erzählt Tsaki vom AHA-Vorstand. »Eines Tages kam ein Dübel aus der Wand;
alles gab auf einmal nach — und die Gäste fanden sich plötzlich unter einem Berg aus Stoffen und Seilen wieder.
Nach einem kurzen Moment der Verwirrung haben die Leute herzlich gelacht — und dann eben unter den Stoffen
weitergemacht.«
Warum tun wir uns das an?
»Uns selbst macht die Party eine Menge Spaß,
weil sich unsere Gäste sehr wohl fühlen — und weil wir selber auch gerne mal
von dem üppigen Angebot an Männern naschen«, meint Mike, ebenfalls vom Vorstand.
»Schließlich soll sich die Arbeit ja auch lohnen.«
Doch genauso wichtig sind die Einnahmen aus der Party für die AHA. »Da wir keine öffentlichen
Gelder bekommen, müssen wir uns eben anders finanzieren«, sagt Holger, der Kassenwart des Vereins, mit einem Schmunzeln.
»Ohne die Erotik-Party könnte die AHA kaum ihre laufenden Kosten decken, aber so können wir unabhängig bleiben
und das tun, was uns Spaß macht. Und das ist wichtiger, als sich ständig mit anderen um die raren Subventionen streiten
zu müssen. Die AHA tut das, was die Politik immer so gerne fordert — ehrenamtliches Engagement ohne staatliche Hilfe.«
Auf diese Weise bietet die AHA mit der Jugendgruppe, dem Spieleabend, dem Café am Sonntag,
Bühnenshows und Theaterprojekten sowie diversen anderen Gruppen und Veranstaltungen ein umfangreiches Kontrastprogramm zur
kommerziellen Szene.
Dieser Text entstand anläßlich des 10-Jährigen Jubiläums im September 2001. |