AHA-Berlin e.V.


Icon

Was läuft wann – Unsere Termine

Freitag, 16. Juni 2017 20:00–23:00

Emanzipation und Unterwerfung

Vortrag zu »Beißreflexe« und »Selbsthass & Emanzipation« von Patsy l‘Amour laLove

Mit einem Vortrag greift Patsy lAmour laLove die Auseinandersetzungen ihrer Sammelbände auf: »Selbsthass & Emanzipation« (2016) und »Beißreflexe« (2017), beide im Querverlag erschienen. Hedi Mohr, Chanson-Tunte und Cabaret-Star mit ihrer ganz eigenen queeraktivistischen Geschichte, begleitet den Abend musikalisch mit ihrem unfassbaren Gesang.

Nahezu täglich wird der reaktionäre Backlash ausgerufen, auch unter Lesben, Schwulen, Bis und Transleuten. Worin der Rückschritt festgemacht wird, fällt derweil unterschiedlich aus: die AfD und international andere rechte Parteien, die deutsche Bevölkerung und ihre Ressentiments insgesamt, zunehmende rassistische und homofeindliche Anfeindungen, der Islam und dessen Hofierung durch Liberale …

Eine Reaktion darauf ist die Rede von den wahren Feinden da draußen, gegenüber denen man sich von einer queeren Community eingemeinden lassen soll. Queerer Aktivismus versucht sich dabei in einem neuen Umgang und Bewusstsein, schafft damit aber vielfach nur neue Verbote und Strafen, Sprachregeln und Bekleidungsgebote, mit denen Abweichler in den eigenen Reihen nur umso härter angegangen werden können. Während einerseits die selbsterklärte Avantgarde allen angeblich Angepassten den Kampf erklärt hat, vermeiden andere jede Kritik als »zu politisch« und richten sich in der bestehenden Feindseligkeit möglichst ein. Normalsein, Hetero-Like, »keine Tunten!« – alte Anwandlungen unter Homosexuellen, die nicht nachlassen wollen. Übersehen wird dabei, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht automatisch geschieht und die liberalen Zugeständnisse wieder zurückgenommen werden können – die Toleranz also mehr als brüchig ist.

Kritik an dem queeren Aktivismus, der die Unterdrückung nach innen wendet, wird panisch abgewehrt. Aus dieser Kritik wiederum entsteht teilweise eine überzogene Panik vor Political Correctness, nach der lieber jede Meinung bis zu ihrer Bedeutungslosigkeit neutral neben die andere gestellt werden soll. Nicht aber, dass es Sprechverbote gibt, muss kritisiert werden, sondern die jeweils falsche Begründung, mit der sie ausgeführt werden. Ebenso wenig hilfreich ist es, jede beliebige Meinung gleichsam zu »wertschätzen« und damit über ihren Inhalt hinwegzusehen.

Zur Bedeutung von queerer, schwuler oder sexueller Emanzipation zwischen Anpassung und Normalisierung, der Notwendigkeit, dem Hass selbstbewusst entgegenzutreten, der Zuwendung zur Realität und zur Utopie versucht sich Patsy an diesem Abend und lädt zur Diskussion. Befreiung, Sex und Strafe setzte Hedi Mohr derweil in ihrem Lustreigen künstlerisch um.

Einlass: 19 Uhr • Beginn: 20 Uhr • Eintritt: ??

2017-04-20 23:06 2017-04-20 23:11

AHA-Berlin e.V.
Monumentenstraße 13
10829 Berlin
Tel: (030) 8962 7948
Seite: Termine
Seite erstellt: 2011-10-29 18:06
Letzte Änderung: 2016-12-06 23:12